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Illustration: Zwei Männer in einem Ruderboot rudern in entgegengesetzte Richtungen.
Grafik: TarikVision / stock.adobe.com
Organisationsmediation

Keine Zeit für noch ein Gespräch? Gerade dann lohnt es sich.

Die Frist rückt näher. Der Aufgabenberg wächst. Und jetzt soll man sich auch noch zusammensetzen und reden. Mediation, Moderation, Supervision klingen nach Dingen, die man macht, wenn mal Luft ist.

Ich sehe das anders. Unter Druck zeigt sich, ob ein Team funktioniert. Missverständnisse entstehen schneller. Unzufriedenheit bleibt liegen. Jeder arbeitet für sich. Das kostet Geld, auch wenn es in keiner Bilanz steht und sich nur schwer in Zahlen beziffern lässt.

Was Konflikte kosten

Eine exakte Zahl gibt es nicht. Die Europa-Universität Viadrina und PwC haben zehn Jahre lang untersucht, wie deutsche Unternehmen mit Konflikten umgehen. Ihr Fazit: Konfliktkosten sind erheblich und lassen sich durch gutes Konfliktmanagement deutlich senken. Alles Genauere ist Schätzung. Die oft zitierten 15 Prozent der Arbeitszeit, bei Führungskräften bis zur Hälfte, stammen aus einer österreichischen Erhebung von vor 20 Jahren. Ob sie heute noch gelten, ist schwer zu sagen.

Belastbarer ist eine Erhebung des Beratungsunternehmens CPP von 2008 unter 5.000 Beschäftigten in neun Ländern. Deutschland lag an der Spitze: 3,3 Stunden pro Woche verbringen Beschäftigte hier mit Konflikten. 56 Prozent haben häufig oder ständig damit zu tun. Fast jeder Fünfte hat erlebt, dass ein Projekt daran gescheitert ist. Hauptursache in Deutschland ist nicht die Chemie zwischen Menschen, sondern Stress. In allen anderen Ländern war es umgekehrt. Die Studie zeigt auch: Wo Konfliktkompetenz geschult wird, berichten mehr Menschen von positiven Ergebnissen aus Konflikten.

Wenn Menschen innerlich gehen

Ungeklärte Konflikte enden selten mit einem Knall. Meist ziehen sich Menschen zurück. Laut Gallup Engagement Index 2025 haben 13 Prozent der Beschäftigten in Deutschland innerlich gekündigt. 77 Prozent machen Dienst nach Vorschrift. Den Produktivitätsverlust durch innere Kündigung beziffert Gallup für 2025 auf 119 bis 142 Milliarden Euro. Beschäftigte ohne Bindung an ihren Arbeitgeber waren im Schnitt 9,7 Tage krank, hoch gebundene 5,7 Tage. Gallup sieht die Ursache vor allem in der Führung. Aus meiner Erfahrung ist ein ungeklärter Konflikt einer der kürzesten Wege dorthin.

Wenn jemand tatsächlich geht, wird es teuer. Gallup schätzt die Kosten einer Nachbesetzung auf ein halbes bis zwei Jahresgehälter. Das Wissen, das mit der Person geht, ist da nicht eingerechnet. Entsprechend nennen Unternehmen als einen der wichtigsten Gründe für Moderation oder Mediation, dass sie das Arbeitsverhältnis fortsetzen wollen.

Was bringt eine Mediation?

Der Round Table Mediation und Konfliktmanagement der deutschen Wirtschaft, ein Zusammenschluss von rund 60 Unternehmen, darunter SAP und die Deutsche Bahn, hat 2022 Konfliktbeteiligte befragt, wie sie Mediation erlebt haben. Die Umfrage ist klein und nicht repräsentativ. Aber sie ist eine der wenigen, in der nicht Mediatoren zu Wort kommen, sondern ihre Kunden. Drei Ergebnisse.

Mediation ist schnell. Im Schnitt drei Termine, zusammen rund zwölf Stunden. 72 Prozent der Fälle endeten mit einer Vereinbarung. Keiner davon landete später vor Gericht. Über 80 Prozent der Befragten waren mit Ergebnis und Verlauf zufrieden. 83 Prozent würden das Verfahren weiterempfehlen.

Mediation kommt zu spät. In mehr als der Hälfte der Fälle ging es längst nicht mehr um die Sache, sondern um Lager und Koalitionen. Ein Drittel der Konflikte schwelte seit über einem Jahr. Fast ein Fünftel seit über drei Jahren.

Mediation wird genutzt, wo sie verankert ist. Dort kommt der Vorschlag auch von Führungskräften, Personalabteilung und Betriebsrat. SAP betreibt dafür ein Global Ombuds Office. Es bietet Mitarbeitenden interne Mediation an, meist zu zweit und bei internationalen Fällen mit Mediatoren aus verschiedenen Ländern. Die Deutsche Bahn und die Hamburger Sparkasse haben ähnliche Strukturen. Diese Unternehmen haben nicht weniger Konflikte als andere. Sie sitzen sie nur nicht aus.

Lieber regelmäßig als zu spät

Dazu passt der wichtigste Befund der Viadrina-Studien: Einen eskalierten Konflikt in konstruktive Bahnen zu lenken ist viel schwerer, als diese Bahnen vorher anzulegen. Dann geht es nicht mehr um bessere Zusammenarbeit, sondern um Schadensbegrenzung. Das geht auch. Es ist nur mühsamer.

Früh anzusetzen ist wirksamer:

  • Moderation sorgt dafür, dass schwierige Besprechungen zu Ergebnissen führen, statt im Kreis zu laufen.
  • Supervision gibt Teams und Führungskräften regelmäßig Raum, Belastungen und Reibungen anzusprechen, bevor sie sich festsetzen.
  • Mediation hilft, wenn ein Konflikt schon da ist. Am besten, solange die Beteiligten noch miteinander reden wollen.

Zwölf Stunden Mediation oder ein Tag Supervision kosten einen Bruchteil einer einzigen Kündigung. Ein Team, das nicht mehr miteinander kann, kostet noch mehr.

Wenn Sie überlegen, ob das für Ihr Team sinnvoll ist: Melden Sie sich gern.

Quellen

  • PwC / Europa-Universität Viadrina (2016): Konfliktmanagement in der deutschen Wirtschaft. Entwicklungen eines Jahrzehnts. Frankfurt am Main. PDF
  • CPP Inc. (2008): Workplace Conflict and How Businesses Can Harness It to Thrive. CPP Global Human Capital Report.
  • Gallup (2026): Engagement Index Deutschland 2025. gallup.com
  • Gallup (2019): This Fixable Problem Costs U.S. Businesses $1 Trillion. gallup.com
  • Round Table Mediation und Konfliktmanagement der deutschen Wirtschaft (2024): Die Nutzerumfrage des RTMKM. Was sagen eigentlich Konfliktbeteiligte über Mediation? PDF
  • RTMKM (2026): Einblick in das Global Ombuds Office von SAP. Unternehmensinterne Mediation im Stil der Klärungshilfe. rtmkm.de