Workshop in der Botschaft von Singapur – Mediation und die Kunst des Zuhörens
Am 8. Mai 2026 war ich zusammen mit meinen Kolleginnen von MiKK e.V. in der Botschaft von Singapur eingeladen, um dort einen Workshop zu veranstalten. Es ging um die Grundlagen von Mediation und eine wirkungsvolle Kommunikationstechnik: Aktives Zuhören. Die Technik fördert gegenseitiges Verstehen und bringt gleichzeitig Respekt und Wertschätzung zum Ausdruck.
Beeindruckt hat mich die Teilnahme von ca. 50 Personen aus über 20 Botschaften. Es war wundervoll zu erleben, wie so viele Menschen aus unterschiedlichen Ländern daran interessiert sind, miteinander ins Gespräch zu kommen und gemeinsam partnerschaftliche Wege zur Konfliktlösung zu entdecken. Januver Chow war ein perfekter Gastgeber, der für uns einen Raum geschaffen hat, in dem wir uns begegnen konnten.

Den Workshop eröffnete ich mit einer grundlegenden Feststellung: Konflikte sind kein Zeichen von Scheitern, sondern ein essentieller, natürlicher Bestandteil menschlicher Existenz. Die Frage ist nicht, ob Konflikte auftauchen, sondern wie wir mit ihnen umgehen. Ungeklärte Konflikte neigen zur Eskalation — ich habe das anhand der Eskalationsstufen nach Friedrich Glasl veranschaulicht, die zeigen, wie schnell aus einer vermeintlichen Kleinigkeit eine kräftezehrende und destruktive Auseinandersetzung werden kann. Umgekehrt bieten konstruktiv ausgetragene Konflikte die Gelegenheit zum gegenseitigen Verständnis, zur Neugestaltung der Beziehungen und zur Entwicklung tragfähiger Lösungen.
Mediation setzt genau dort an: als ein Prozess zur Beilegung von Streitigkeiten, bei dem eine neutrale Person den Konfliktparteien hilft, miteinander ins Gespräch zu kommen und ihre Anliegen gemeinsam zu lösen. Ich stellte die Vorteile und Prinzipien der Mediation vor und skizzierte den Mediationsprozess: vom Gesprächsrahmen über die Arbeit mit Themen und Interessen bis hin zur Entwicklung von Optionen und gemeinsamen Entscheidungen.

Ein besonderes Gewicht hatte das Thema Aktives Zuhören, dem interaktiven Teil des Workshops. Die Technik erfolgt in drei Schritten: 1. Zuhören 2. Zusammenfassen, Spiegeln, Reflektieren 3. Bestätigen. Was einfach klingt, ist in der Praxis anspruchsvoll: denn es geht darum, nicht zu bewerten, keinen Rat zu geben und die eigene Meinung zurückzuhalten. Nur so entsteht echtes Verständnis.
Im Zusammenhang mit internationaler Mediation habe ich auch die Singapore Convention on Mediation vorgestellt, ein wichtiges multilaterales Abkommen, das Mediationsvereinbarungen grenzübergreifend vollstreckbar macht und der Mediation als Konfliktlösungsverfahren auf internationaler Ebene mehr Gewicht verleiht.
Dazu erzählte ich die Geschichte meiner Partnerorganisation PracticeForte aus Singapur: Ihr erster Kontakt mit der Botschaft in Berlin geht auf 2018 zurück, als die beiden Gründerinnen Mylene Chua und Susan Tay hier ein MiKK-Training absolvierten, damals auch das 10-jährige Jubiläum von MiKK. Aus diesem Treffen entstand eine Verbindung, die bis heute trägt. Acht Jahre später hat PracticeForte mitgeholfen, diesen Abend zu ermöglichen. Ein schöner Kreis — mit noch mehr Menschen, mehr Kuchen und mehr Tee, wie Mylene und Susan es sich gewünscht hatten.

Ischtar Khalaf-Newsome, Co-CEO & Head of Advisory Services bei MiKK e.V., hat anschließend die Arbeit des Vereins vorgestellt, von der kostenlosen mehrsprachigen Beratung für betroffene Eltern bis hin zu Trainings für Mediator:innen, Anwält:innen und Richter:innen in Fällen grenzüberschreitender Familienkonflikte.
Zum Abschluss gab es eine interaktive Übung: Die Teilnehmenden hörten sich gegenseitig zu, anhand einer Situation aus dem eigenen Leben, in der ein Gespräch besonders schwierig war oder eine unangenehme Nachricht überbracht werden musste. Die Teilnehmenden unterhielten sich angeregt miteinander und konzentrierten sich auf das Zuhören, eine offensichtlich angenehme und verbindende Erfahrung.

Einmal mehr hat sich gezeigt, wie wertvoll persönlicher Kontakt und Austausch sind, wenn wir in der Lage sind, uns gegenseitig gut zuzuhören, unterschiedliche Perspektiven zu verstehen und voneinander zu lernen.